Was die Bibel berichtet Jakobus, Sohn des Zebedäus (Mk 1, 20) und der MariaSalome, war der Bruder des
Johannes und der erste Martyrer unter den Aposteln.
Jakobus, der als Fischer am See Genesareth (Mk 1, 19) arbeitete, wurde zusammen
mit Johannes und dem Brüderpaar Petrus und Andreas zum Jünger von Jesus erwählt.
Jakobus ließ alles zurück und folgte Jesus nach.
Jakobus und die drei anderen Erst-Erwählten Johannes, Petrus und Andreas sind bei
vielen wichtigen Ereignissen in Jesu Leben dabei. Wir finden Jakobus bei der Aufersteh-
ung der Tochter des Jaïrus (Mk 5, 37), bei der Verklärung auf dem Berg Tabor (Mt 17, 1f)
und im Garten Getse-mani (Mt 26, 37ff).
Gemäß dem Matthäusevangelium bat die Mutter Maria Salome für ihre Söhne Jakobus
und Johannes um einen Platz im Himmelreich.
Jesus fragte darauf "Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?" (Mt 20,20-28).
Diese Frage bejahten Jakobus und Johannes. Jesus antwortete mit der Voraussage
ihres Martyriums. Diese Voraussage erfüllte sich dann auch: Herodes Agrippa ließ
Jakobus um das Jahr 44 n. Ch. in Jerusalem enthaupten (Apg 12, 2).
Das Fest des heiligen Jakobus wird am 25. Juli begangen. Fällt der 25. Juli auf einen Sonntag, findet in Santiago de Compostela
ein Heiliges Jahr statt.
Wie Jakobus nach Spanien kam
Die Legende besagt, dass es Jakobus durch das Los zugefallen sei, Spanien zu
missionieren. Enttäuscht vom geringen Erfolg seiner Missionstätigkeit soll er bereits
nach zwei Jahren wieder nach Jerusa-lem zurückgekehrt sein, wo er das Martyrium
erlitt.
Seine beiden einzigen Jünger, Theodomir und Athanasius, fanden sich nicht mit dem
Tod ihres Herren ab; sie raubten den Leichnam und legten ihn auf ein Schiff ohne Steu-
er und Segel. Der Engel des Herrn habe das Schiff nach Iria Flavia (heute: Padron,
20 km von Santiago de Compostela entfernt) geleitet. Im Hafen von Iria wurde der Leich-
nam auf einen Stein gelegt, der wie Wachs schmolz und einen Sarkophag um ihn
bildete.
Es folgte eine lange Zeit des Vergessens, von der Lage des Grabes kündete nur eine
schwache mündliche Überlieferung.
Warum aber wandte man sich ausgerechnet im 8./9. Jahrhundert in Spanien verstärkt
der Jakobusverehrung zu?
Ausschlagebend dafür war die Landung des ersten muslimischen Heeres 711 auf der
Iberischen Halbinsel. Bald darauf erwähnte der astu-rische Mönch Beatus in seinem
Kommentar zur Apokalypse die Missi-onstätigkeit des Jakobus in Spanien. Jakobus,
der erste Missionar Spaniens, schien geradezu prädestiniert die Spanier in ihrem
Kampf gegen die Mauren zu unterstützen.
Im einstigen Missionsgebiet des Apostels Jakobus machte man sich daran, das in der
Tradition erwähnte Marmorgrab zu suchen. Die Entdeckung des Grabes fällt in die Zeit
der Eroberung Spaniens durch die Sarazenen. Zwischen 812 und 814 fand ein Eremit
namens Pelagius, von Lichterscheinungen geleitet, das Grab. Dieses Ereignis deutete
man als göttliche Zustimmung zur christlichen Reconquista.
Wie eng verbunden der Jakobuskult mit der Reconquista, d. h. mit der Rückeroberung,
der seit dem 8. Jahrhundert von Arabern besetzten iberischen Halbinsel durch christ-
liche Herrscher war, zeigt folgende Legende:
Jakobus persönlich soll sich bei der Schlacht von Clavigo (844) den überlegenen Mau-
ren entgegengestellt und so König Ramiro I. von Asturien zum Sieg verholfen haben.
Die Legende berichtet, der hl. Jako-bus sei auf einem Schimmel reitend dem christ-
lichen Heer erschienen. Der friedfertige Fischer und Missionar Spaniens wandelt sich
zum "Maurentöter" und Nationalhelden Spaniens. Bis ins 11.Jahrhundert war der Name
des hl. Jakobus in so vielen Schlachten angerufen worden, dass er sich von "Sante
Jacobe" allmählich zum Schlachtruf "Santiag" abgeschliffen hatte.
An der Stelle, an der sich die Grabstätte des Jakobus befunden haben soll, steht heute
die Stadt Santiago de Compostela, die ihren Namen "Campus Stellae" (= Sternenfeld)
aufgrund der Lichterscheinungen erhielt, die dem Eremiten Pelagius den Platz des
Grabes angezeigt hatten.
Die Zeittafel(n.Ch.)
um 44 der Apostel Jakobus der Ältere erleidet unter
Herodes Agrippa I. in Jerusalem durch Enthaup-
tung den Märtyrertod.
734 Die Mauren erobern Galicien und besetzen
nach und nach ganz Spanien.
778 Karl der Große - veranlasst durch einen Traum -
dringt nach Nordspanien ein, muß sich aber
geschlagen geben. Auch die Nachhut unter
seinem Gefolgsmann Roland wird von den Bas-
ken in Roncesvalles vernichtend geschlagen.
um 813 Im äußersten Nordwesten Spaniens, bei Iria
Flavia, wird ein Grab mit einem Leichnam ent-
deckt, den man für die Reliquie des Aposels
Jakobus hält. Der König von Asturien und Léon,
Alfons II., errichtet eine Kirche und ein Kloster;
es ist die Geburtsstunde von Santiago de
Compostela.
834 Jakobus wird zum Patron Spaniens erklärt.
Fortsetzung der Rückeroberung Spaniens
(Reconquista) durch die Christen. Das Grab
des Apostels wird zum Symbol des christlichen
Kampfes gegen den Islam.
844 Ramiro I. von Asturien siegt in der Schlacht von
Clavigo über die Mauren. Der Legende nach soll
Jakobus auf einem Pferd erschienen sein, um
den Christen beizustehen. Jakobus wird zum
überiridischen Maurentöter.
ab 900 Legenden von der Auffindung des Jakobusgrabes
wird in ganz Europa verbreitet.
951 Bischof Godeschalk aus Le Puy ist der erste
namentlich genannte Jakobspilger aus dem
Ausland.
1078 Die großen Pilgermassen machen in Santiago
den Bau einer neuen, noch heute erhaltenen
Kirche erforderlich.
um 1140 Fertigstellung des Codex Calixitinus, der auch
einen Reiseführer für Jakobspilger enthält.
1211 Einweihung der Kathedrale von Santiago.
um 1214 Franz von Assisi pilgert nach Santiago
Um 1230
Nach Ende der maurischen Herrschaft fällt
Galicien an Kastilien.
1300 Das erste Heilige Jahr beginnt.
1495 Hermann Künig von Vach veröffentlicht
Die Walfart und Straß zu Sant Jakob, den
ersten deutschsprachigen Pilgerführer.
1878 Neuentdeckung der Reliquien des Heiligen
Jakobus in der Apsis hinter dem Hochaltar in
der Kirche von Santiago.
1884 Papst Leo XIII. erklärt in der Bulle vom
1. November die Reiliquien des Heiligen
Jakobus für echt.
1982 Sechs Millionen Menschen pilgern anläßlich
des Jakobusfestes am 25. Juli und anläßlich
des Heiligen Jahres nach Santiago de
Compostela.
1987 Der Europarat erklärt den Jakobsweg zur
Ersten Europäischen Kulturstraße.
1993 Die Unesco erklärt den Jakobsweg nach
Santiago de Compostela zum geistigen
Weltkulturerbe.
2004 Heiliges Jahr
Wie fanden die Pilger den rechten Weg nach Santiago de Compostela? Schriftliche Quellen aus dem Mittelalter unterrichten uns über die europäischen
Hauptrouten. Im Liber Sancti Jacobi, einem Pilgerführer aus dem 12. Jahrhundert,
werden uns vier Routen auf französischem Boden überliefert. Einen Jakobsweg im
strengen Sinn gibt es erst in Spanien: In Puente la Reina vereinigen sich die vier
französischen Routen zu dem einen Weg, dem Camino Real oder Camino Francas.